Direkt zum Inhalt

20.04.2026 | Aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung

Chancengerechtigkeit am Arbeitsplatz

Logo Hans Böckler Stiftung

Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) zur Chancengerechtigkeit in Deutschland zeigt: Trotz gesetzlicher Schutzregelungen erleben Beschäftigte mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen im Berufsalltag weiterhin erhebliche Nachteile. Für die repräsentative Befragung wurden 2025 mehr als 2.500 abhängig Beschäftigte befragt.

Rund ein Drittel der Befragten gab an, eine körperliche, geistige oder psychische Einschränkung oder chronische Erkrankung zu haben – damit ist diese Gruppe nach Geschlecht und Alter eine der größten Diversitätsgruppen im deutschen Arbeitsmarkt. Elf Prozent von ihnen berichten von beruflicher Benachteiligung, wobei fast die Hälfte dieser Betroffenen angibt, sich „voll und ganz" diskriminiert zu fühlen – ein Hinweis auf besonders intensive Erfahrungen.

Zudem gehören Menschen mit Behinderung zu den am zweithäufigsten von Mobbing betroffenen Gruppen, übertroffen nur von Beschäftigten mit bestimmter Religions- oder Weltanschauungszugehörigkeit. Besonders auffällig ist der Einfluss mehrerer sich überlagernder Merkmale: Nicht-cis-männliche Beschäftigte mit Behinderung oder chronischer Erkrankung berichten mit 13 Prozent deutlich häufiger von Benachteiligung als betroffene cis-männliche Kollegen (7 Prozent).

Ein weiterer markanter Befund: Ein Drittel der Betroffenen mit einer nicht sichtbaren Einschränkung verbirgt diese am Arbeitsplatz – der höchste Wert aller untersuchten Gruppen. Zum Vergleich: Bei queeren Beschäftigten sind es 21 Prozent, bei nicht-christlich Gläubigen 15 Prozent. Beschäftigte mit Diversity-Merkmalen berichten zudem signifikant häufiger von starker Erschöpfung (65 % vs. 54 %) und psychischer Belastung.

Als strukturelle Ursachen nennt die Studie fehlende Barrierefreiheit in Gebäuden und digitalen Systemen, mangelnde betriebliche Unterstützung sowie anhaltendes gesellschaftliches Stigma.

Mehr:

(br)