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Wege auf den allgemeinen Arbeitsmarkt

Um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) an den allgemeinen Arbeitsmarkt heranzuführen, bieten die Werkstätten zunehmend Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb der Werkstatt an.

Die Werkstätten versuchen den behinderten Menschen, die gute Voraussetzungen für eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorweisen, ausgelagerte Arbeitsplätze beziehungsweise Außenarbeitsplätze, Praktika oder eine Stelle in einem Inklusionsbetrieb zu vermitteln.

Seit dem 1.1.2018 können Menschen mit Behinderung auch die Leistung 'Budget für Arbeit' in Anspruch nehmen. Das 'Budget für Arbeit' ist eine Alternative zur Beschäftigung in einer WfbM. Sie sind nicht mehr im Arbeitsbereich einer WfbM, sondern auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt.

Am 1.1.2020 wurde außerdem die Leistung 'Budget für Ausbildung' neu eingeführt. Menschen mit Behinderung mit Anspruch auf Aufnahme in eine WfbM können eine reguläre Ausbildung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt absolvieren, wenn Ihnen eine solche Ausbildung angeboten wird.

Sogenannte Außenarbeitsplätze (ausgelagerte bzw. betriebsintegrierte Arbeitsplätze) können den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erleichtern. 'Außenarbeitsplatz' bedeutet: ein Mensch mit Behinderung arbeitet in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen, bleibt aber vom Status her Werkstattbeschäftigter. Das Arbeiten in einem solchen Unternehmen vermittelt berufliche Realität und stärkt das Gefühl der Zugehörigkeit zur Gesellschaft.

Man unterscheidet zwischen ausgelagerten Einzel- und ausgelagerten Gruppenarbeitsplätzen. Die Übergangsquote von der WfbM auf den allgemeinen Arbeitsmarkt fällt bei den ausgelagerten Einzelarbeitsplätzen höher aus. Die meisten Übergänge gelingen aber durch Praktika.
Heute gibt es in ganz unterschiedlichen Berufszweigen ausgelagerte Arbeitsplätze.

Hier kann man sich einige erfolgreiche Beispiele anschauen. Sie stammen aus der Zeitschrift 'Klarer Kurs - Magazin für die berufliche Teilhabe'.

Wenn Beschäftigte der Werkstatt eine gesundheitlich stabile Verfassung aufweisen und in der WfbM keine Probleme haben, ihre Arbeit zu verrichten, können sie durch ein Praktikum in einem Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarktes ihre Belastbarkeit testen. Sie können Erfahrungen persönlicher und fachlicher Art sammeln und sich bei ihrem Praktikumsbetrieb für eine feste Anstellung empfehlen.

Viele Träger von Werkstätten betreiben mittlerweile auch eigene Inklusionsbetriebe (in der alten Fassung des SGB 9 als Integrationsfirmen, -betriebe oder -projekte bezeichnet). Bei Inklusionsbetrieben handelt es sich um Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes, die neben Menschen ohne Behinderung auch überdurchschnittlich viele Menschen mit einer Schwerbehinderung in sozialversicherungspflichtige Arbeit bringen. Der Anteil der schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt dabei in der Regel zwischen 30 und 50 Prozent. Leistungsfähige WfbM-Beschäftigte haben hier gute Chancen den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu schaffen.

Seit dem 1. Januar 2018 können behinderte Menschen, die einen Anspruch auf eine Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen haben, eine Förderung im Rahmen eines Budgets für Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt in Anspruch nehmen, wenn sie dort eine Beschäftigungsmöglichkeit finden.

Am 1. Januar 2020 wurde das Budget für Ausbildung eingeführt. Das Budget für Ausbildung soll Menschen mit Behinderung eine reguläre Berufsausbildung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglichen. Zielgruppe sind Personen, die voll erwerbsgemindert sind und Anspruch auf Leistungen im Eingangsverfahren oder Berufsbildungsbereich einer WfbM oder bei einem anderen Leistungsanbieter haben. Es handelt sich also um eine alternative Leistungsform, ähnlich wie beim Budget für Arbeit. Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt sollen dadurch gesteigert werden.

Als Kooperationspartner stehen den Werkstätten in der Regel die Integrationsfachdienste (IFD) und die Agenturen für Arbeit zur Seite, die sich um die Beschaffung solcher Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb der Werkstatt kümmern. Bei Problemen während ihrer Beschäftigung außerhalb der WfbM stehen den behinderten Menschen jederzeit Bezugspersonen des Integrationsfachdienstes und der WfbM zur Verfügung.

Es gibt regionale Versuche, den Übergang von der WfbM auf den allgemeinen Arbeitsmarkt durch gezielte Projekte und Förderprogramme zu fördern. Einige Beispiele werden im Folgenden aufgelistet:

Werkstatt Budget in Hamburg

An dem Modellprojekt 'Werkstatt Budget' können Beschäftigte aus den Arbeitsbereichen der Alsterdorfer Werkstätten und der Elbe-Werkstätten auf Antrag teilnehmen. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Variante des Persönlichen Budgets. Die Budgetnehmerinnen und -nehmer bleiben bei der WfbM beschäftigt, können aber bestimmte Leistungen auch bei anderen Anbietern außerhalb der Werkstatt einkaufen. Dazu zählen beispielsweise berufliche Qualifizierungs- und Fortbildungskurse oder Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung.


Integra MENSCH der Bamberger Lebenshilfe-Werkstätten

Die Lebenshilfe Bamberg hat mit dem Projekt 'Integra MENSCH' einen völlig neuen Weg der Integration eingeschlagen. Die Integra-Mitarbeiterinnen und Mitabeiter erhalten einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und bekommen von ihrem Unternehmen innerhalb des Betriebs jeweils eine Person als Patin beziehungsweise Paten zur Seite gestellt. Die Patin beziehungsweise der Pate hilft bei allen betrieblichen Angelegenheiten und der Einbeziehung in die Betriebsgemeinschaft. Hinzu kommt eine Integrationsbegleitung der Bamberger Lebenshilfe, die den Integra-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern in allen Lebenslagen zur Seite steht. Über 160 Menschen mit Behinderung haben über Integra MENSCH bereits eine Beschäftigung in der Stadt und im Landkreis Bamberg gefunden. Ausführlichere Informationen bieten die Internetseiten von Integra MENSCH (Siehe weiter unten).
Der Verein UN-KONVENTIONELL - Netzwerk für Sozialraumarbeit e.V. hat eine Broschüre mit dem Titel 'Behinderte Mitarbeiter tun uns gut' über integra Mensch herausgegeben. Anhand von mehreren Beispielen wird gezeigt, wie WfbM-Beschäftigte den Sprung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erfolgreich bewältigt haben. Den Link zu der zu der Broschüre finden Sie weiter unten.


Virtuelle Werkstatt Saarbrücken

Die 'Virtuelle Werkstatt für Menschen mit seelischer Behinderung' startete zunächst als saarländisches Modellprojekt (Laufzeit: 1. Juni 2004 bis 31. Mai 2009). Sie verfügt im Vergleich zur WfbM über keine Produktionsstätten, sondern vermittelt ihre Beschäftigten ausschließlich auf ausgelagerten Arbeitsplätzen in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Aufgrund des erfolgreichen Projektverlaufes ist die Virtuelle Werkstatt nun dauerhaft im Saarland als Einrichtung zur beruflichen Eingliederung seelisch behinderter Menschen etabliert.


Virtuelle Werkstatt XTERN der Caritas Werkstätten St. Raphael

Die Caritas Werkstätten St. Raphael verfügen ebenfalls über eine virtuelle Werkstatt. Die virtuelle Werkstatt XTERN hat keine eigene Betriebsstätte, sondern vermittelt Beschäftigte der Caritas Werkstätten in Unternehmen und Institutionen der Region. Die Virtuelle Werkstatt steht Menschen mit Behinderung in den drei Landkreisen Ahrweiler, Cochem-Zell und Mayen-Koblenz zur Verfügung. Die virtuelle Werkstatt XTERN ist an jedem Standort der Caritas Werkstätten in Mayen, Polch, Cochem, Ulmen, Sinzig und Bad Neuenahr-Ahrweiler vorhanden.


Sonderförderprogramme der Bundesländer

Mit Hilfe von Sonderförderprogrammen in den einzelnen Bundesländern wird versucht, WfbM-Beschäftigten den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Häufig sind es Programme, bei denen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zusätzliche Zuschüsse oder Prämien erhalten, wenn sie WfbM-Beschäftigten eine Ausbildung oder Beschäftigung anbieten. In einigen Bundesländern gibt es aber auch Förderprogramme ohne direkte Arbeitgeberförderung.